Berufe nach einem Medieninformatik Studium: Mobile Development

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Martin BreuerWelche Berufswege eröffnen sich eigentlich nach einem Medieninformatik Studium? Irgendwas mit Computern, ja. Aber was genau? In unserer Rubrik „Medienprofis berichten aus ihrem Beruf“ gewähren Absolventen verschiedener Medienstudiengänge Einblicke in ihr Berufsleben. Für das nachfolgende Interview hat sich dankenswerterweise Martin Breuer, Mobile Developer bei der Agentur SinnerSchrader Mobile, Zeit genommen und berichtet aus seinem Berufsalltag.



Lieber Herr Breuer, Sie haben den Bachelor und Master Medieninformatik an der Beuth Hochschule in Berlin studiert. Warum haben Sie sich für dieses Studienfach entschieden und was hat Sie an den Berufsmöglichkeiten gereizt?

In meiner Ausbildung zum Industrietechnologen habe ich einiges Grundwissen in der Programmierung gewinnen können. Ich bin dann als Quereinsteiger in einer Firma als Java-Entwickler angenommen worden und durfte mein Wissen dort ausbauen. Nach 18 Monaten Vollzeit kam mir dann die Idee, dass ich doch noch ein Studium bräuchte. Hauptgrund dafür war die überall präsente Anforderung in Stellenbeschreibungen, dass ein abgeschlossenes Studium benötigt wird.

Die Entscheidung für die Medieninformatik fiel durch Ausschlussverfahren. Die Technische Informatik hatte ich bereits erfolglos 2 Semester versucht und festgestellt, dass der Studiengang mir nicht liegt. Der normale Informatik-Studiengang galt generell als zu theoretisch und ist für mich als praxisnaher Mensch daher ungeeignet. Die Idee, nicht nur Informatik, sondern auch Audio, Video bzw. generell multimediale Inhalte im Studium zu haben, hat mich gereizt.

Als Medieninformatiker stehen einem eigentlich alle modernen Bereiche in der Wirtschaft, die ansatzweise was mit Programmieren zu tun haben, offen. Sei es Webseiten zu entwickeln, komplexe Backendsysteme für große E-Commerce Projekte oder auch Anwendungen für Smartphones. Alles ist möglich!

Wie sah Ihr Werdegang nach dem Studienabschluss bis zu Ihrem heutigen Job aus? Und was waren die typischen Einstiegsjobs Ihrer Kommilitonen?

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Da ich als Werkstudent neben dem Studium gearbeitet habe, war es naheliegend, nach meinem Abschluss in der gleichen Firma eine Vollzeitstelle zu bekommen. Zum Glück wurde mir dies auch angeboten. Ich habe in 4 Jahren Zugehörigkeit in mehr als 6 Kundenprojekten mitarbeiten dürfen und bin im aktuellen Projekt auch Technischer Leiter. Chancen, mich nach oben zu arbeiten, sind also vorhanden.

Meine Kommilitonen arbeiten in den verschiedensten Bereichen. Ein guter Freund von mir arbeitet ebenfalls als Android-Entwickler in einer befreundeten Firma und entwickelt dort hausinterne Projekte. Ein anderer Kommilitone arbeitet in einer Firma für Hochsicherheit, andere sind als Berater oder Projektleiter angestellt. Eine Kommilitonin ist eher in den kreativen Bereich für Konzeption und Design gegangen. Die eigenen Interessen wurden meistens mit einem passenden Job bedient.

Kommen wir zu Ihrem Beruf: Welche Aufgaben haben Sie als Mobile Developer?

Mobile Developer ist eigentlich nur ein Oberbegriff. Darunter fallen sowohl Android- als auch iOS- und Windows Phone-Entwickler. Hinzu kommen Entwickler für mobile Webseiten, also Entwickler aus dem Umfeld von HTML, CSS und JavaScript.

Als Entwickler ist mein Aufgabenbereich breit gefächert. Ich muss mir Konzepte anschauen und diese auf technische Machbarkeit überprüfen. Dazu gehört dann meistens eine ausführliche Zeitschätzung, damit diese für ein Angebot an den Kunden berücksichtigt werden kann. Die technische Beratung der Kreativabteilung bei der Erstellung von Designvorlagen ist bei jedem Projekt wichtig, da man dies später natürlich auch umsetzen muss.

Während der eigentlichen Entwicklungsphase muss man hauptsächlich programmieren. Man sollte die gängigen Tools beherrschen und auch Neuentwicklungen aktiv verfolgen. Der technische Projektablauf ist meistens agil und basiert mehr oder weniger auf Scrum. Gefordert wird dabei neben der Programmierung auch die objektive Einschätzung der eigenen Leistung. Man muss stets planen, wie lange eine Aufgabe benötigt und schnell auf Probleme hinweisen. Die meisten Projektteams bestehen aus weniger als 6 Entwicklern. Dies erfordert enge Zusammenarbeit, viel Absprache und aktives Helfen bei Problemen. Eine anonyme Arbeitsweise ist nicht gewünscht und auch gar nicht möglich. Dafür gehen die eigenen Leistungen auch selten unter und finden entsprechende Aufmerksamkeit.

In einer höheren Position kann auch noch die Verantwortung für die Systemarchitektur hinzukommen. Man muss entscheiden, wie und mit welchen Frameworks die Anwendung realisiert werden soll. Je nach Projekt und Kunde ist auch direkter Kundenkontakt möglich. So kann es sein, dass direkt beim Kunden vor Ort die Entwicklung durchgeführt wird, weil die Zusammenarbeit mit dem Kunden dies erfordert. Ein sicheres und freundliches Auftreten ist dann natürlich wichtig.

Die zu entwickelnden Programme können vielfältiger Natur sein. Vom klassischen Shop mit Warenkorb und Anbindung an ein Bezahlsystem über eine Dating-App bis hin zu firmeninternen Programmen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, das man im kompletten Lebenszyklus des Projekts involviert ist. Von Konzept, Design über Entwicklung bis hin zur Wartung ist man dabei und verantwortlich für die technischen Aspekte. Dies erfordert von uns Entwicklern ein wachsames Auge von Anfang bis Ende und eine offene Kommunikation.

Gelegentlich kommt es vor, dass man andere Menschen unterwegs sieht, die eine von mir/uns entwickelte Anwendung benutzen. Dabei überkommt einem meist ein stolzes Gefühl, da man dann nicht mehr den abstrakten Nutzer hat, sondern diesmal auch ein Gesicht dazu sieht.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Ich habe während meines Studiums stets als Werkstudent gearbeitet und empfinde dies auch als extrem wichtig. Man muss nicht die maximale Zeit von 20 Stunden pro Woche machen, aber man sollte früh in der Wirtschaft sein, um auch die eigenen Wünsche zu ergründen. Fragen wie „Will ich das bis für immer machen?“ sollten ehrlich beantwortet werden. Auch ein Themenwechsel kann mal gewagt werden. Ich bin beispielsweise von HTML und Java-Backendentwicklung mitten im Studium auf Android aufgesprungen und habe die Firma gewechselt. Ich habe es bisher nicht bereut.

Je nachdem wie stark euch Arbeit und Studium auslasten, empfehle ich auch privat viel Zeit mit der Programmierung zu verbringen. Nichts fördert die eigenen Fähigkeiten wie ein eigenes Projekt, dass mit Herzblut verfolgt wird. Egal ob es ein eigenes Blog-System ist oder eine Tipprunde unter Freunden oder eine eigene Spielidee realisiert wird: Machen ist das Zauberwort.

Als Charaktereigenschaft kann ich nur empfehlen, sich ein dickes Fell anzuschaffen. Das Studium kann und wird, je nach eurem Vorwissen, schwer und anstrengend werden. Wer seine Kraft dann darauf verwendet, sich über Negatives aufzuregen, verbaut sich vieles. Gewisse Dinge muss man machen und abhaken um dann sich dadurch schneller wieder auf Positives konzentrieren zu können.

Manche Studenten geben 120%, weil ihnen die Note 1,3 nicht gut genug ist. Für mich, Bachelor mit 1,7 gemacht, ist dies vom Kosten-Nutzen-Faktor nicht gerechtfertigt. Die Zeit und die Energie für diese halbe Note sollte eher in eigene Projekte und Wissensaneignung investiert werden. Davon hat man längerfristig etwas.

Eine kleine Weisheit von einem meiner Dozenten: Schaut über den Tellerrand! Wenn ihr Android-Entwickler werden wollt, heißt das nicht, dass ihr nichts über JavaScript oder Backendprogrammierung wissen müsst. Manche verfolgen auch die Methode „jedes Jahr eine neue Programmiersprache“. Egal wie, beim Programmieren kann man nicht aufhören zu lernen…

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem Berufsweg.

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