Berufe nach einem Medieninformatik Studium: Selbstständige Kommunikationsberaterin

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Welche Berufswege eröffnen sich eigentlich nach einem Medieninformatik Studium? Irgendwas mit Computern, ja. Aber was genau? In unserer Rubrik „Medienprofis berichten aus ihrem Beruf“ gewähren Absolventen verschiedener Medienstudiengänge Einblicke in ihr Berufsleben. Für das nachfolgende Interview hat sich Claudia Langer, Selbstständige Kommunikationsberaterin und Geschäftsführerin bei Die Buben, Zeit genommen und berichtet aus ihrem Berufsalltag.



Liebe Frau Langer, Sie haben zunächst den Bachelor Medienkulturwissenschaft/Medieninformatik an der Universität zu Köln studiert und im Anschluss den Masterstudiengang Unternehmenskommunikation an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Warum haben Sie sich für diese Studienfächer entschieden und was hat Sie an dem Berufsfeld Medien gereizt?

Mein Bachelorstudium war eher eine Wahl aus der Not heraus. Ich wusste, in welche Richtung ich ungefähr gehen und dass ich etwas im Medienbereich machen möchte, aber Genaueres wusste ich noch nicht. Der Studiengang diente demnach eher der ersten Orientierung. Damals gab es auch noch nicht allzu viele etablierte Studiengänge – oder solche, die es zumindest schon etwas länger gab – in dem Bereich. Erst mit dem Master habe ich mich dann etwas spezialisiert und mich dann für die Richtung Unternehmenskommunikation entschieden. Aber ganz ehrlich: Auch da wusste ich noch nicht so genau, was mich erwartet.

Ich hatte, muss ich gestehen, zudem sehr viel Glück bei der Master-Zulassung, da mein Bachelorstudiengang nicht wirklich affin zu dem Masterstudiengang war. Aber an der Hochschule der Medien in Stuttgart schauen sie Gott sei Dank auch auf andere Dinge, beispielweise auf das Thema der Bachelorarbeit und die Abschlussnote. Sonst würde ich jetzt womöglich etwas anderes machen: Mein ursprünglicher Gedanke war, Fernsehredakteurin zu werden. Das ist nicht so weit von dem entfernt, was ich jetzt mache, aber hätte ich diesen Master nicht studiert, wäre ich wohl auf diese interessante Kombi aus Bewegtbild und Unternehmenskommunikation nicht gekommen.

Sie haben sich nach Ihrem Studium selbstständig gemacht. Was hat Sie zu diesem Entschluss bewegt? Und was waren die typischen Einstiegsjobs Ihrer Kommilitonen?

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Es gab mehrere Gründe, die mich zur Selbstständigkeit bewegt haben. Zum einen ist es gar nicht so selten, sich in der Medienbranche selbstständig zu machen, und es gibt viele Förderungsmöglichkeiten. Unsere Hochschule hat beispielsweise ein eigenes Gründerzentrum, das Start-Ups unterstützt. Zum anderen war es für mich und meine Geschäftspartnerin eine einmalige Gelegenheit sich in dem Bereich selbstständig zu machen, weil die Bewegtbildkommunikation noch in den Kinderschuhen steckt und darin viel Potential liegt. Wir haben in dieser Branche außerdem den Vorteil, dass wir – anders als die Generation vor uns – mit dem Netz aufgewachsen sind und damit ein wenig anders umgehen. Dennoch haben wir, weil wir auch noch die Zeit vor dem Internet kennengelernt haben, einen Zugang zu der älteren Generation. Dadurch können wir sozusagen zwischen den ganz jungen sogenannten Digital Natives und den Digital Immigrants vermitteln.

Zudem ist noch zu erwähnen, dass sowohl meine Geschäftspartnerin als auch ich selbst schon während des Studiums Berufserfahrung sammeln konnten und wir beide schon eigenständige Projekte auf die Beine gestellt haben: meine Partnerin die Strategie und die Unternehmenskommunikation des sauren Apfelsaftes „Stiefkind“ und ich das rheumatologische Internetfernsehen „rheuma-online TV“. Das war für uns eine gute Grundlage für die Gründung.

Viele meiner Kommilitonen sind auch im Bereich der Unternehmenskommunikation geblieben, welche sich wiederum auch in viele Spezialgebiete auffächert. Zudem gibt es welche, die in Agenturen unterkommen und andere, die direkt in einem Unternehmen tätig sind. Einige arbeiten im Projektmanagement, andere als Social Media Manager oder als Online Strategen, wieder andere im Bereich der Suchmaschinenoptimierung.

Kommen wir zu Ihrem Beruf: Welche Aufgaben haben Sie als Geschäftsführerin einer Kommunikationsagentur?

Das Problem beginnt jetzt schon bei der Berufsbezeichnung. Ich habe einfach mal Geschäftsführerin geschrieben, weil das im Groben auch so stimmt. Eigentlich ist es aber so, dass ich noch viel mehr mache als nur „das Geschäft zu führen“. Mir ist aufgefallen, dass sich die Medienbranche insgesamt noch sehr schwer tut mit den Jobbezeichnungen. Da gibt es die wildesten Begriffe.

Für den Part als Geschäftsführerin sind wir beide, meine Geschäftspartnerin und ich, dafür verantwortlich, uns selbst zu vermarkten, d.h. wir müssen Kunden akquirieren, netzwerken, Seminare besuchen, unseren Online-Auftritt pflegen etc. Des Weiteren kümmern wir uns – das muss leider auch sein – um die Buchführung und feilen auch an unserer eigenen Strategie (In welche Richtung wollen wir uns bewegen? Welche Ziele möchten wir bis wann erreichen? Wie können wir uns besser organisieren? Mit wem arbeiten wir zusammen? Was funktioniert gut, was schlecht etc.).

Auf diese Bereiche bereitet das Medienstudium natürlich nur begrenzt vor. Hier müssen wir auch immer noch etwas die Zähne zusammenbeißen und uns viel Hilfe holen. Wir haben z.B. einen Steuerberater, der uns unterstützt. Insbesondere vor der Gründung haben wir viele Beratungsleistungen in Anspruch genommen. Auch jetzt noch nutzen wir Gelegenheiten, bei denen wir Tipps bekommen und lernen können. Wir haben auf diese Weise schon viele nette Menschen, denen wir einiges zu verdanken haben. Diese Kontakte pflegen wir auch weiterhin fürsorglich.

Weitere Aufgaben für uns gibt es in unserem Kerngeschäft. Wir sind eine Agentur für Bewegtbildkommunikation, d.h. wir haben uns darauf spezialisiert, Unternehmen zu beraten, wie sie Videos im Netz sinnvoll und erfolgreich als Kommunikationsmaßnahme einsetzen können. Denn dass Videos toll sind, wissen schon viele. Wie man damit auch einen Effekt erzielen kann, außer dem, dass man ein tolles Video hat, welches auf irgendeiner Plattform mit 30 Klicks vor sich hindümpelt, wissen wiederum nicht so viele. Dafür sind wir ja dann da.

Dafür analysieren wir den Status Quo der Kommunikationsmaßnahmen, die das Unternehmen bereits einsetzt, und besprechen, welche Bewegtbildmaßnahmen sich in die bestehende Kommunikationsstrategie einfügen und Lücken schließen oder andere Maßnahmen ersetzen können. Daraus erarbeiten wir dann eine neue Strategie mit dem Ziel der integrierten Kommunikation mithilfe von Webvideos – d.h., dass hier die unterschiedlichen Kommunikationsmaßnahmen eines Unternehmens aufeinander abgestimmt werden und es zu einem Zusammenspiel kommt.

Anschließend schreiben wir ein Konzept und produzieren die benötigten Maßnahmen, beispielsweise ein/eine Video/-serie und einen entsprechenden Social Media Kanal. Für die Umsetzung nutzen wir unser Netzwerk aus Filmschaffenden, Designern etc., um in enger Zusammenarbeit die Videos professionell zu verwirklichen. Im Anschluss betreuen wir die Unternehmen weiter auf ihrem Weg dahin, die Videos zielgruppenaffin im Social Web einzusetzen und zu verbreiten. Denn was bringt das schönste Video, wenn es nachher niemand anschaut – insbesondere nicht die Zielgruppe.

Es ist auch möglich, nur einzelne Dienstleistungen von uns in Anspruch zu nehmen. Es kommt vor, dass ein Kunde schon eine Idee für ein Video und sich schon selbst Gedanken dazu gemacht hat, aber Hilfe bei der Umsetzung braucht. Andere haben bereits einen YouTube-Kanal, wollen diesen aber noch optimiert oder neue Formate entwickelt bekommen. Wieder andere möchten nur Hilfe auf der Beratungsebene, die Videos aber selbst umsetzen.

Die Medieninformatik hat mir deshalb geholfen, da ich Webseiten selbst erstellen und viele Programme bedienen kann, die ich für meine Tätigkeiten brauche. Viel wichtiger ist es aber – und das glaubt man im ersten Moment nicht, wenn man sich für so ein Studium wie bspw. Medienkulturwissenschaft mit Nebenfach Medieninformatik entscheidet – dass es mir geholfen hat, auf eine bestimmte Art und Weise zu denken, viele Lösungsansätze zu verfolgen und interdisziplinär zu arbeiten.

Die Gründung an sich ist schon eine sehr große Herausforderung. Außerdem ist diese Art der Dienstleistung noch sehr neu und man muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Allerdings ist gerade das auch das Spannende daran und man lernt in der ersten Zeit einfach unglaublich viel. Zudem finde ich, dass das flexible Arbeiten, das heißt insbesondere die Ortsunabhängkeit, sehr attraktiv ist. Routine und Langeweile sind mir ein Graus und bei meiner Arbeit Gott sei Dank noch ein Ding der Unmöglichkeit.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Ich glaube, es geht – wie überall im Leben – um eine gesunde Mitte zwischen den Extremen, wie bspw. Individualität/Integration, Mut/Vorsicht, Chaos/Ordnung, Höflichkeit/Dreistigkeit und Disziplin/Unbeschwertheit. Außerdem ist es im Bereich der Kommunikations- bzw. Medienbranche denke ich nicht verkehrt, wenn man sich auch für die Psychologie, Soziologie und Anthropologie interessiert. Denn Kommunikation und die Medien als Kommunikationsträger bestimmen den Alltag der Menschen. Umso wichtiger ist es, auch den Menschen an sich verstehen zu lernen.

Es ist wichtig, Chancen zu erkennen und wahrzunehmen, offen für andere – auf dem ersten Blick abWEGige – Richtungen einzuschlagen, Dinge auszuprobieren, auch wenn man sie sich anfangs nicht zutraut und auch immer ehrlich zu reflektieren, was man wirklich möchte. Ich finde nach wie vor das Zitat von Coco Chanel so schön und treffend: Ich bereue nur das, was ich nicht getan habe.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Unternehmen.


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