Berufe nach einem Medientechnik Studium: Trailer Editor

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Welche Berufswege eröffnen sich eigentlich nach einem Medientechnik Studium? Für Studieninteressenten und -anfänger ist es nicht leicht, Einblicke hinter die Kulissen der verschiedenen Jobmöglichkeiten zu erlangen. Dabei helfen wir. In unserer Rubrik „Medienprofis berichten aus ihrem Beruf“ gewähren Absolventen verschiedener Medienstudiengänge Einblicke in ihr Berufsleben. Im nachfolgenden Interview erzählt Alexander, Trailer Editor bei einem großen Medienunternehmen, über seinen Werdegang nach dem Studium und seinen derzeitigen Beruf.



Lieber Alexander, Sie haben den Bachelor Medientechnik/ Fachrichtung Mediendesign an der Hochschule Deggendorf studiert. Warum haben Sie sich für dieses Studienfach entschieden und was hat Sie an den Berufsmöglichkeiten gereizt?

Ich war schon als Kind sehr fasziniert von Technik und Medien und hatte schon in jungen Jahren meine ersten kleinen Filmchen gedreht. Nach der Fachoberschule war studieren erst mal kein Thema für mich und daher habe ich eine Ausbildung zum Elektroniker gemacht. Danach entschied ich mich aber doch zu studieren und suchte nach einem Studiengang, der mich interessierte.

Was ich nach dem Studium werden wollte, wusste ich noch überhaupt nicht, aber ich wusste, dass ich ein großes Interesse in Medien und Technik habe und ich irgendwie in Richtung Video möchte. Der Studiengang Medientechnik in Deggendorf hat mich deshalb sehr gereizt, weil er so gut wie alle meine Interessen vereint. Über genaue Berufsmöglichkeiten habe ich mich ehrlich gesagt nicht besonders informiert, wichtig war mir damals nur, dass ich mich in Themen vertiefe, die mich besonders stark interessieren.

Wie sah Ihr Werdegang nach dem Studienabschluss bis zu Ihrem heutigen Job aus? Und was waren die typischen Einstiegsjobs Ihrer Kommilitonen?

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Ich hatte Glück, mein Pflichtpraktikum im 6. Semester in der Promotion Abteilung eines großen Medienunternehmens zu absolvieren, was mir auch später einen Berufseinstieg in der Firma ermöglichte. Nach dem Praktikum schrieb ich aber erst noch meine Bachelorarbeit an einem Rundfunk-Institut im Bereich Videostreaming. Da mir die Arbeit während des Praktikums viel Spaß gemacht hatte, bewarb ich mich dort wieder für eine Festanstellung und es hat glücklicherweise ein paar Monate später wieder geklappt.

Einige meiner Kommilitonen sind als Ingenieure bei großen Automobilherstellern bzw. deren Zuliefer-Firmen als Sound-Designer oder Programmierer im Infotainment-Bereich untergekommen. Andere sind zur Zeitung, haben einen Job als Ton-Ingenieur, sind als Video Operator bei Kinoproduktionen am Filmset dabei oder sind, wie ich, als Editor/Cutter zum Fernsehen gegangen. Da der Studiengang sehr breitgefächert aufgebaut ist, ist auch die Vielfalt der Berufe nach dem Studium sehr groß.

Kommen wir zu Ihrem Beruf: Welche Aufgaben haben Sie als Trailer Editor?

Meine Aufgabe ist es, TV-Trailer zu Filmen, TV-Serien, Shows und Magazinen für mehrere große TV-Sender zu schneiden und dabei den Einschaltimpuls beim Zuschauer zu erzielen – kurz: Ich muss dem Zuschauer eine Sendung schmackhaft machen!

Für meine Aufträge werde ich in einen von vielen Schnitt-Räumen gebucht, die mit einem Schnittrechner, mehreren Monitoren und verschiedenen Video- und Audio-Messinstrumenten ausgestattet sind. Parallel zu meinem Auftrag bekomme ich ein Briefing vom Marketing, in denen schon mal wichtige Punkte wie Zielgruppe, Kernaussagen usw. erfasst sind und bekomme dann das entsprechende Material (z.B. einen Film oder Drehmaterial). Danach sichte ich das Material in meinem Schnittprogramm, überlege mir ein Textkonzept und suche in diversen Musikportalen nach einer passenden Musik.

Ist das Material gesichtet, baue ich mit meinem Schnittprogramm schon mal ein Grundgerüst aus Musik, O-Tönen und Layout-Sprache und schneide dann den Trailer in Absprache mit meinen Vorgesetzten. Je nach Projekt arbeitete ich auch mit der Grafik- oder Textabteilung zusammen. Wenn ich mit dem Schnitt fertig bin und der Trailer vom Marketing abgenommen wurde, wird mein Text von einem der Sender-Stimmen eingesprochen und in der Audioabteilung gemischt.

Die Projekte variieren dabei ständig, von Magazin-Trailern (Zeitvorgabe ca. 1 Tag) über Spielfilm-Trailer (2 bis 5 Tage) und großen Image-Kampagnen (mehrere Wochen). Am meisten reizen mich dabei Spielfilme.

Ich liebe meinen Job, weil es mir großen Spaß macht, Videos zu schneiden und Menschen damit neugierig zu machen. Und vor allem, weil ich am Ende der Woche ein Ergebnis habe, das ich mir anschauen und stolz darauf sein kann. Man kann dabei kreativ sein und (meist) seine eigenen Ideen ausprobieren. Abgesehen davon ist es auch ein schönes Gefühl, wenn man seine eigene Arbeit zu Hause im Fernsehen sieht und weiß, dass parallel noch Millionen anderer Menschen mitgucken.

Klar kann es manchmal stressig werden und man hat Abgabetermine, aber mit der Zeit lernt man sich selbst zu organisieren und dann ist auch der Zeitdruck kein Problem. Der Job bedeutet aber auch Verantwortung, da man ja zu einem großen Teil der Einschaltquoten beiträgt, die für einen TV-Sender lebenswichtig sind.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Wer sich in die Kreativbranche wagen will, sollte sich bewusst sein, dass die Konkurrenz groß ist und man muss mit Leib und Seele dabei sein, um vorwärts zu kommen. Während des Studiums gibt es zahlreiche kreative Projekte wie Musikvideos, TV-Beiträge für´s Internet-Fernsehen, Radiobeiträge oder 3D Animationen. Wer hier viel Arbeit reinsteckt und das mit Begeisterung macht, hat auch hinterher ein gutes Ergebnis und evtl. auch etwas, um beim Vorstellungsgespräch zu überzeugen. Außerdem merkt man dann eh von Projekt zu Projekt, in welche Richtung es persönlich gehen soll. Bei mir war es eben der Videoschnitt, der mir am meisten Spaß gemacht hat.

Hin und wieder kommt man über die Uni auch an private Aufträge (z. B. kleine Werbefilme für umliegende Firmen). Ich kann sehr empfehlen, so etwas hin und wieder mal anzunehmen, man lernt hierbei am meisten und kann sich nebenbei noch etwas dazuverdienen und Beziehungen knüpfen. Englisch wird immer wichtiger (manchmal muss man z. B. auch Serienfolgen auf Englisch sichten, wenn die deutsche Tonspur noch nicht vorliegt) und wenn man die Möglichkeit auf ein Auslandssemester hat, sollte man das auf jeden Fall wahrnehmen.

Wenn man nicht genau weiß ob man kreativ arbeiten will, sollte man überlegen in die Ingenieur-Richtung zu gehen, wie z.B. Medieninformatik oder Tontechnik. Hier hat man relativ gute Aussichten auf gut bezahlte Jobs. Aber am besten einfach ein Praktikum in der Richtung machen, die einen interessiert, dann merkt man schon ob es das Richtige ist oder nicht.

In der Kreativbranche kommt man normalerweise nicht ohne Praktikum, Werkstudententätigkeit oder Bachelorarbeit an eine Festanstellung, daher darf man auch nicht zurückscheuen, vielleicht auch nach dem Studium ein freiwilliges Praktikum zu machen. Wer als Cutter schon Erfahrung hat und gut ist, kann auch auf dem freien Markt als Freiberufler gut verdienen. Da muss man aber auch der Typ dazu sein, und bereit sein, viel Freizeit zu opfern.

Eines möchte ich noch sagen: Ich habe von vielen Kommilitonen Sätze gehört wie „Wir lernen zwar alles, aber nichts richtig!“. Es ist völlig klar, wenn man einen Studiengang besucht, der ein sehr breitgefächertes Angebot hat, dass man nicht in allen Themen Spezialist werden kann. Aber der Bachelor soll ein Fundament bilden und einen Überblick über das gesamte Thema Medien bieten. Erst mit der Bachelorarbeit und im Beruf wird man Spezialist!

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem Berufsweg.

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