Berufe nach einem Medienstudium: Webseitenoptimierung

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Corinna TrappViele Studieninteressenten können sich nicht vorstellen, welche vielfältigen Jobs man nach einem Medienstudium aufnehmen kann. Das liegt an den hunderten interessanten und unterschiedlichsten Berufsmöglichkeiten in der Branche. In unserer Rubrik „Medienprofis berichten aus ihrem Beruf“ gewähren viele Experten Einblicke in ihr Berufsleben.

Für das nachfolgende Interview hat sich dankenswerterweise Corinna Trapp, Managerin Webseitenoptimierung bei SIXT Leasing, Zeit genommen und berichtet aus ihrem Berufsalltag.



Liebe Frau Trapp, Sie haben den Bachelor Medienforschung/ Medienpraxis an der TU Dresden und im Anschluss den Master Content & Media Engineering an der Leipzig School of Media studiert. Was können wir uns unter den Studiengängen vorstellen und warum haben Sie sich für das Berufsfeld „Medien“ entschieden?

Gestalterisch und kreativ tätig zu sein bereitete mir bereits als Kind großen Spaß. Ich absolvierte nach dem Abitur eine Berufsausbildung zur Mediengestalterin bei einer regionalen Tageszeitung. Nun wollte ich mich gern tiefgründiger mit dem Thema Medien und Medienwahrnehmung beschäftigen. Der Studiengang an der TU Dresden schien mir da besonders gut zu passen. Neben den verschiedenen Methoden zur Erforschung von Medien und deren Konsumenten lernte ich die Struktur der Medienlandschaft oder journalistische Grundlagen kennen. In Kombination mit dem Nebenfach Medieninformatik kam auch die technische Seite nicht zu kurz.

Nach dem Bachelorabschluss stürzte ich mich zunächst ins Berufsleben. Ein paar Jahre später meldete sich mein Wissendurst und ich entschied mich für ein berufsbegleitendes Masterstudium an der Leipzig School of Media. Da ich mich mittlerweile verstärkt auf die Gestaltung digitaler Nutzeroberflächen wie z.B. Webseiten spezialisiert hatte, passte der Studiengang Content & Media Engineering perfekt zu mir. Der Schwerpunkt in diesem Studium liegt in der technischen Herstellung verschiedener Medienformen wie Audio oder Video aber auch Webtechnologien.

Wie sah Ihr Werdegang nach dem Studienabschluss bis zu Ihrem heutigen Job aus? Und was waren die typischen Einstiegsjobs Ihrer Kommilitonen?

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Nachdem ich meinen Bachelorabschluss in der Tasche hatte, suchte ich nach einem Job, in den ich Studium und Berufsausbildung einbringen konnte. Meine praktische Erfahrung kam mir da zu Gute und ich konnte relativ schnell eine Stelle in der visuellen Kommunikation beim Automobilhersteller BMW ALPINA im bayrischen Buchloe finden. Hier sammelte ich im Webbereich erste Erfahrungen.

Nach fast zwei Jahren zog es mich zurück in die Heimat nach Leipzig. Die hier ansässige Unister GmbH suchte einen Webseitenoptimierer für ihre Reise- und Finanzportale. Eine interessante Mischung aus Design und Konsumenten- bzw. Nutzerforschung. In dem damals stark wachsenden Unternehmen mit einem jungen dynamischen Team konnte ich sehr viel dazu lernen, stieß allerdings auch immer wieder an Grenzen. Im Dezember 2012 bot sich mir dann die Möglichkeit in einer kleinen IT-Außenstelle der Sixt Leasing AG mitzuwirken. Der Standort war noch ganz neu und mitten in einem Team aus Programmierern zu arbeiten ist für mich auch eine komplett neue Erfahrung. Seitdem bin ich dort für das Design und die Optimierung der Webseite und diverser Anwendungen, aber auch der Werbemittel zuständig.

Meine Kommilitonen aus dem Bachelorstudium haben unterschiedlichste Wege eingeschlagen. Ein großer Teil fand den Einstieg in das Agenturleben oder in Marketingabteilungen verschiedener Unternehmen. Einige blieben in der Forschung und arbeiten mittlerweile als wissenschaftliche Mitarbeiter an diversen Hochschulen.

Kommen wir zu Ihrem Beruf: Welche Aufgaben haben Sie als Managerin Webseitenoptimierung?

Die Optimierung einer Webseite umfasst ein großes Aufgabengebiet, welches auch die technische Performance beinhaltet. Meine Tätigkeit bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die Optimierung aus Nutzersicht. Dabei habe ich einerseits das Ziel, dass der Besucher unsere Webseite einfach und intuitiv bedienen kann. Andererseits sollen aber auch die Vorzüge des Produktes optimal vorgestellt werden, so dass der Nutzer am Ende auch zum Kunden wird. (Dies nennt man auch Conversion-Optimierung, da der Nutzer zum Kunden konvertiert.)

Um dies zu erreichen, konzipiere ich verschiedene neue Ideen und Verbesserungsvorschläge anhand von so genannten Klickdummys und teste diese, wenn möglich, auch mit echten Nutzern. Man kann sich das wie die Skizze einer Webseite vorstellen, welche aber bereits verschiedene Funktionen hat. Diesem Thema habe ich mich auch in meiner Masterarbeit über Prototypen im Usability Engineering Lifecycle gewidmet. Um neue Vorschläge zu erarbeiten analysiere ich zudem das aktuelle Nutzerverhalten. So kann ich Schwachstellen ausfindig machen, die verbessert werden müssen.

Danach erstelle ich das fertige Design, so wie es später auf der Webseite dann auch aussehen soll. Dazu verwende ich verschiedene professionelle Software wie z.B. Adobe Photoshop. Das Design sollte möglichst konsistent sein. Um dies zu gewährleisten arbeite ich an der Erstellung des Styleguides mit den Designvorgaben.

Meine Kollegen sind anschließend für die technische Umsetzung zuständig. Da wir ein kleines Team sind, arbeiten wir stark zusammen. So erhalte ich auch tiefe Einblicke in den Programmierer-Alltag und lerne Probleme kennen, die sich evtl. bereits bei der Konzeption einfach umgehen lassen. Rückfragen lassen sich schnell klären.

Bei der Gestaltung ist es wichtig, auch die Optimierung der Webseite für Suchmaschinen im Auge zu behalten. Dies ist zwar nicht mein direktes Aufgabengebiet, muss aber immer mit beachtet werden. So stehe ich auch im regelmäßigen Austausch mit den hierfür zuständigen Kollegen. Diese und andere Ansprechpartner sitzen allerdings im bayrischen Pullach so dass die Kommunikation meist per Telefon oder E-Mail abläuft.

Neben dem Design von Nutzeroberflächen erstelle ich auch die Newsletter und Werbebanner oder gestalte Infografiken. Meine Kollegen sagen dann oft scherzhaft, dass ich mal wieder was „male“.

Mein Aufgabengebiet ist sehr abwechslungsreich und es macht mir großen Spaß. Neben reinen Designentwürfen kann ich den gesamten Nutzer-Workflow mitgestalten und meinen Ideen freien Lauf lassen.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Ich würde meinen Werdegang nicht unbedingt als gradlinig bezeichnen. Zu meinem heutigen Aufgabengebiet habe ich erst im Laufe der Zeit und über verschiedene Umwege gefunden. Allerdings bieten sich so auch viele Möglichkeiten, über den Tellerrand zu blicken.

Eine Berufsausbildung bietet meiner Meinung nach einen guten Einstieg zur Orientierung. Ich habe in meinem ersten Studium die Erfahrung gemacht, dass viele Kommilitonen noch nicht wussten was sie mit dem erworbenen Wissen mal anfangen sollen. Bereits praktische Erfahrungen zu haben ermöglicht da weitaus bessere Einblicke.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem Berufsweg.

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