Berufe nach einem Medieninformatik Studium: Projektmanagerin in einer Kommunikationsagentur

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Was macht man eigentlich nach einem Medieninformatik Studium? Irgendwas mit Computern, möglicherweise. Aber was genau? In unserer Rubrik „Medienprofis berichten aus ihrem Beruf“ gewähren Absolventen verschiedener Medienstudiengänge Einblicke in ihr Berufsleben. Für das nachfolgende Interview hat sich Sabrina Bern, Projektmanagerin bei einer Kommunikationsagentur, Zeit genommen und berichtet aus ihrem Berufsalltag.



Liebe Frau Bern, Sie haben den Bachelor Medienkulturwissenschaft/Medieninformatik an der Universität zu Köln studiert. Warum haben Sie sich für diese Studienfächer entschieden und was hat Sie an dem Berufsfeld Medien gereizt?

Als ich mich damals entschied studieren zu gehen, wusste ich bereits, dass ich auf jeden Fall später im Medienbereich arbeiten möchte. Ich war zu der Zeit sehr PC- und Spiele-begeistert, sodass ich davon überzeugt war, sicher im Bereich Software arbeiten zu wollen. Auf der anderen Seite konnte ich mir aber auch gut vorstellen, im Bereich Film oder Werbung zu arbeiten. Da kam mir der Studiengang Medienkulturwissenschaft/Medieninformatik gerade recht: Zum einen eine Ausbildung im Informatikbereich für das eine Feld, zum anderen eine gute Bildung zum Werdegang und Wirkung der Medien für das andere.

Am Berufsfeld Medien haben mich besonders die Kreativität und der Abwechslungsreichtum gereizt. Ohne neue, spannende Ideen zur Umsetzung von Medien und Publikums- bzw. Kundenanalyse können Medien und Medienprojekte nicht lange überleben. Hier ist immer neuer Input gefragt, sodass es nicht langweilig wird und man lernt immer wieder Neues dazu, z.B. neue Techniken oder die Bedienung bzw. das Handling von Programmen, die man für ein bestimmtes Projekt benötigt.

Wie sah Ihr Werdegang nach dem Studienabschluss bis zu Ihrem heutigen Job aus? Und was waren die typischen Einstiegsjobs Ihrer Kommilitonen?

Ich habe nicht bis zum Abschluss gewartet, sondern bereits während des Studiums Erfahrungen gesammelt. Unter anderem war ich freie Mitarbeiterin einer Onlinezeitung, danach habe ich mich mit einem Praktikum bei einem Online-Portal als Redakteurin versucht. Nach diesem Praktikum wollte ich in den Bereich PR reinschnuppern und habe 3 Monate bei meiner jetzigen Arbeitsstelle verbracht. Danach ging es ganz schnell, die haben mich gleich fest als Projektmanagerin eingestellt.

Die engsten meiner Kommilitonen haben zunächst ein Master-Studium angefangen. Während des Studiums haben sie Webseiten betreut oder bei der HKI in Köln (Anm. d. Redaktion: Institut für Historisch-kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung an der Uni Köln) als studentische Aushilfe Berufserfahrung gesammelt. Einer hat ein Volontariat bei der Sat.1-Mediengruppe (Fernsehen) gemacht. Eine andere Kommilitonin ist heute selbstständig mit einer Bewegtbild-Kommunikationsagentur (PR/Werbung).

Kommen wir zu Ihrem Beruf: Welche Aufgaben haben Sie als Projektmanagerin?

Der Job als Projektmanagerin hat viele Facetten. Aber er wird in jedem Unternehmen bzw. jeder Branche anders ausgelegt. Der Projektmanager, wie wir ihn in unserem PR-Unternehmen verstehen, kümmert sich unter anderem um den Aufbau verschiedener Projekte. Unter anderem erarbeitet man zusammen mit dem Team den Aufbau der Projekte, z.B. welche Aufgabenbereiche es gibt, wer sich um welche Aufgabenbereiche kümmert, wer das Ergebnis abnimmt und wer direkt mit dem Kunden kommuniziert. Wir erstellen Zeitpläne und kümmern uns darum, dass diese eingehalten werden. Wir organisieren Termine, z.B. Kundenkonferenzen und kümmern uns um die Technik. Wir organisieren Kundenevents (z.B. Pressefrühstücke) und interne Events. Wir erstellen die Rechnungen für den Kunden. Wir halten das Budget im Auge, sowohl für jeden Kunden als auch das jeweilige Teambudget (wir haben mehrere Teams). Wir erstellen und pflegen Kundenverteiler, prüfen kritisch Texte, kümmern uns um das Lektorat und koordinieren den Versand von Pressemitteilungen. Wir bringen uns mit Ideen für neue Kundenprojekte ein und erstellen Medienresonanzanalysen, wenn benötigt.

Wir sind die letzte kritische Instanz wenn es um die Abnahme von Pitchpräsentationen geht. Wir holen Lizenzen ein, kaufen Bilder und führen Liste ein. Wir steuern den Gesamtprozess von Kundenmagazinen und Newslettern. Längst ist mir sicher noch nicht alles eingefallen. Neben der täglichen Arbeit gibt es auch immer mal wieder große Projekte, die wir uns neu erarbeiten müssen. Eine tolle Erfahrung war es z.B. ein Tabletmagazin aus eigenem Haus zu erstellen – dieses Wissen, was dies alles benötigt und wie es funktioniert, habe ich mir angeeignet und das Projekt bis zum Hochladen der fertigen App in den Store gesteuert.

Im Team stehen wir im ständigen Kontakt mit dem Kundenberater und auch mit dem Kunden, wenn es um Projektmanagement-technische Fragen geht. Natürlich arbeiten wir auch mit externen Dienstleistern zusammen, wir beauftragen und steuern diese.

Als Projektmanagerin muss man sehr gründlich sein, man darf einfach gar nichts übersehen oder schleifen lassen – wenn man als Projektmanagerin den Fehler nicht sieht, dann sieht ihn niemand mehr. Der Terminkalender/Zeitplan ist fundamental. Man muss sehr verantwortungsbewusst und „pingelig“ sein. Manchmal ist es nicht angenehm, die Kollegen mehrfach an Dinge zu erinnern, aber das ist eben unser Job. Hier darf man keine Scheu vor genervten Gesichtern haben.

Das Tolle an meinem Beruf ist, dass er nie langweilig wird. Neben den abwechslungsreichen Alltagsaufgaben kommen immer wieder neue Projekte hinzu, die neu erarbeitet werden müssen. Jeder Kunde ist anders, daher müssen immer wieder individuelle Konzepte und Herangehensweisen erarbeitet werden. Und wenn ein Kunde ein Event plant, sind wir natürlich an vorderster Front dabei und sorgen dafür, dass alles fristgerecht gebucht wird und den Wünschen des Kunden (und der Gäste) entspricht. Und am Ende ist man stolz darauf, das fertige Produkt in den Händen zu halten, zu sehen, wie gut der Kunde in den Medien ankommt oder in die zufriedenen Gesichter der Gäste zu blicken, die am Event teilgenommen haben, das man organisiert hat.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

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Ich würde ihm raten, Praktika zu machen oder – wenn möglich – einen Job als studentische Aushilfskraft anzunehmen. Natürlich ist das keine Erfolgsgarantie. Ich empfehle, sich bereits ein Unternehmen auszugucken, dort zu versuchen „anzudocken“ und dem betreffenden Unternehmen stets seine Interessen in punkto Ausbildung/zukünftiger Job mitzuteilen. Dann bleibt man, wenn man sich während des Praktikums/der Aushilfestelle gut gemacht hat, in Erinnerung und hat bei der nächsten freien Stelle sicher guter Chancen, für eine feste Stelle übernommen zu werden. Auch ein Traineeship oder ein Volontariat würde ich empfehlen. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass man danach als fester Mitarbeiter eingestellt wird – das sehe ich zumindest in meiner Branche jeden Tag.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Unternehmen.


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