Welche Berufswege eröffnen sich eigentlich nach einem Medieninformatik Studium? Irgendwas mit Computern, ja. Aber was genau? In unserer Rubrik "Medienprofis berichten aus ihrem Beruf" gewähren Absolventen verschiedener Medienstudiengänge Einblicke in ihr Berufsleben.

Für das nachfolgende Interview hat sich dankenswerterweise Mike O., App-Entwickler bei einer Agentur, Zeit genommen und berichtet aus seinem Berufsalltag.

App-Entwickler
App-Entwickler

App-Entwickler

Mike O.

Bachelor Medieninformatik an der Universität Köln

App-Entwickler bei einer Agentur

Interview

Lieber Herr O., Sie haben den Bachelor Medieninformatik an der Uni Köln studiert. Warum haben Sie sich für dieses Studienfach entschieden und was hat Sie an den Berufsmöglichkeiten gereizt?

Genau genommen habe ich Medienkulturwissenschaft und Medieninformatik studiert, ein sog. Verbunds-Bachelor-Studiengang der Uni Köln. Als Kind der 80er Jahre bin ich stark medienorientiert aufgewachsen und das hat mich bei der Wahl meines Studienfaches maßgeblich beeinflusst. Der 2-Fach-Bachelor Medienkulturwissenschaft/Medieninformatik war für mich eine Art „Best of both Worlds“-Szenario. Dieser Studiengang bot mir einerseits medientheoretische Hintergründe, die mich sehr interessiert haben, wie z.B. Film Studies oder Game Studies. Andererseits konnte ich im Informatik-Teil des Studiums praktische Erfahrungen mit verschiedenen Programmiersprachen sammeln und viel über die Grundlagen der Informatik lernen. Zu Beginn meines Studiums war mir noch nicht bewusst, welcher Schwerpunkt für mich wichtiger werden würde. Im Verlauf wurde mir aber schnell klar, dass mir das praktische Arbeiten am Computer einfach viel mehr Spaß macht als medientheoretische Analysen über den frühen Italo-Western zu schreiben.

Da ich ursprünglich, d.h. vor meinem Studium, aus einer ganz anderen Branche komme und gelernte Fachkraft für Veranstaltungstechnik bin und diesen Beruf auch 8 Jahre praktiziert habe, war es zu Anfang schwierig für mich mir vorzustellen, wie es ist, 9 to 5 im Büro an einem Rechner zu arbeiten. Aber darum habe ich ja überhaupt studiert, um etwas neues, anderes zu machen als meinen gelernten Beruf.

Die Arbeit als Programmierer hat mich spätestens ab dem Zeitpunkt gereizt an dem wir im Studium an wirklich spannenden Problemen gearbeitet haben. Damit ich zufrieden arbeite, muss ich im meinem Job schnell Ergebnisse sehen können. In einem Handwerksjob wie der Veranstaltungstechnik ist das Feedback deiner Arbeit sofort zu sehen. Das Programmieren bietet mir allerdings genau das gleiche Feedback, was vielleicht daran liegt, dass man es hierbei genauso mit einem Handwerk zu tun hat, nur arbeitet man hier eher mit seinem Kopf als mit Körperkraft.

Wie sah Ihr Werdegang nach dem Studienabschluss bis zu Ihrem heutigen Job aus? Und was waren die typischen Einstiegsjobs Ihrer Kommilitonen?

Die meisten der Leute, mit denen ich im Studium größeren Kontakt hatte, sind in IT-Firmen untergekommen, sei es als App-, Web- oder Spieleentwickler oder in eher administrativen Softwarebereichen.

Ich arbeite seit dem Abschluss meines Studiums bei meinem Arbeitgeber als iOS-Entwickler und UI-Designer.

Kommilitonen von mir haben sich sehr verschiedenartig orientiert. Einer hat genau den gleichen Job wie ich nur bei einem anderen Unternehmen, ein anderer sitzt ein Büro weiter und kümmert sich bei uns um die Android-Entwicklung. Genauso gibt es Kommilitonen, die noch den Master in Angriff genommen haben und wahrscheinlich gerade damit fertig geworden sind. Die meisten der Leute, mit denen ich im Studium größeren Kontakt hatte, sind in IT-Firmen untergekommen, sei es als App-, Web- oder Spieleentwickler oder in eher administrativen Softwarebereichen.

Kommen wir zu Ihrem Beruf: Welche Aufgaben haben Sie als App-Entwickler?

Ich würde meinen Beruf als extrem vielseitig und abwechslungsreich bezeichnen. Als App-Entwickler bin ich in erster Linie für die softwaretechnische Umsetzung einer Idee zuständig. Diese Idee kommt meist von Seite unserer Kunden oder manchmal auch aus unserer eigenen Ideenschmiede. Da es bei uns noch keine völlig festgefahrenen Strukturen gibt, kann man sich bei jedem Schritt der Entstehung der App beteiligen und seine Kreativität einbringen. Ich würde behaupten das 70% meines Tagesgeschäfts reines Coding sind. Wenn neue Angebote geschrieben werden, kann es aber auch schnell mal passieren, dass ich ein paar Tage am Stück nur Photoshop vor mir habe und ein Screendesign nach dem anderen mache. Diese beiden Prozesse sind natürlich sehr unterschiedlich, aber gehören beide essentiell zum Entstehungsweg einer App.

Der Job als Entwickler stellt einen jeden Tag vor neue Herausforderungen und Hürden, die es zu überwinden gilt. Genau das ist es, was den Job aber auch so spannend macht. Man lernt jeden Tag dazu. Jeder, der schon mal Software programmiert hat, kennt das Gefühl, wenn man einfach stundenlang nicht die Lösung zu einem kleinen Teilproblem finden kann. Frust und Freude liegen beim Coden sehr nah beieinander. In einer Minute möchte man seinen Monitor aus dem Fenster werfen und eine Minute später vor Freude einmal ums Bürogebäude rennen.

Kundenkontakt gehört für mich als Entwickler nicht zum Alltag, kann aber trotzdem ab und zu vorkommen. Gerade zu Beginn von neuen Projekten gibt es oft sog. Kick-Off-Workshops in denen gemeinsam mit dem Kunden Detailfragen zur Software geklärt werden. Ich sehe solche Meetings immer als willkommene Abwechslung zum reinen Büroalltag. Außerdem trifft man so meist nette und interessante Menschen aus verschiedensten Branchen oder lernt neue Entwicklerkollegen kennen und kann somit sein berufliches Netzwerk erweitern.

Verantwortung gehört natürlich auch zum alltäglichen Leben eines Softwareentwicklers. Wo es Projekte gibt, gibt es auch Deadlines, die erfüllt werden müssen. Manchmal können diese Deadlines ziemlich knapp bemessen sein, was aber nicht zwingend heißen muss, endlose Überstunden zu machen. Wenn eine Deadline sehr knapp ist, ist es eher ein Ansporn, seine Arbeit gut, schnell und gewissenhaft zu machen. Umso sauberer man arbeitet, desto weniger Bugs müssen kurz vor Deadline behoben werden. Genau dieses hinarbeiten auf eine feste Deadline macht den Vorgang extrem spannend, weil auf dem Weg immer wieder Dinge passieren die nicht mit in der Aufwandsschätzung standen.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte – was würden Sie ihm/ ihr raten?

Während des Studiums sollte man sich auf jeden Fall ab den fortgeschritteneren Semestern um einen Werksstudentenjob im IT-Bereich umsehen.

Was das Studium angeht würde ich im Nachhinein wohl eher zu einem etwas praktisch orientierten Studiengang der Informatik raten. Der Studiengang Medieninformatik an der Uni Köln ist nur zu 50% praktisch ausgelegt und man verschwendet viel Zeit mit theoretischen oder sogar geisteswissenschaftlichen Themen, wie z.B. Digital Humanities. Diese Themen sind für den beruflichen Werdegang als Softwareentwickler nicht nötig. Die Zeit sollte man eher in praktische Übungen mit verschiedenen Programmiersprachen investieren.

Während des Studiums sollte man sich auf jeden Fall ab den fortgeschritteneren Semestern um einen Werksstudentenjob im IT-Bereich umsehen. Zum einen, um zu testen ob der Job einem überhaupt liegt und zum anderem, um praktische Erfahrungen in der Entwicklung zu sammeln. Viele Studenten bleiben ihr ganzes Studium bei ihrem Kellnerjob und verpassen dadurch die Gelegenheit, schon während des Studiums wichtige Kontakte in der Branche zu knüpfen, weil eine Übernahme nach Beendigung des Studiums natürlich nicht unwahrscheinlich ist.

Das Wichtigste, was man während des Studiums lernen sollte, ist auf jeden Fall das Programmieren. Gerade die grundlegenden Konzepte, die eigentlich in jeder Programmiersprache ähnlich sind, sollten während des Studiums verinnerlicht werden. Den Rest lernt man sowieso erst wenn man wirklich in dem Beruf arbeitet und ausgelernt hat man ja bekanntlich sowieso nie.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf!

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